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Psychoanalyse und Philosophie e. V., Düsseldorf
Mitglied in der Akademie für Psychoanalyse und Psychosomatik Düsseldorf e. V.
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Das Jahrbuch Psychoanalyse und Philosophie ist das Mitteilungsorgan des Vereins Psychoanalyse und Philosophie e. V. (Mitglied in der Akademie für Psychoanalyse und Psychosomatik Düsseldorf e. V.). Von 2006 bis 2013 trug es unter der Herausgeberschaft von Rudolf Heinz und Christoph Weismüller den Untertitel Pathognostica. Derzeit wird es von Christoph Weismüller herausgegeben. In ihm nehmen hauptsächlich Forschungsarbeiten der Mitglieder des Vereins Platz. Darüber hinaus sind auch GastautorInnen zur Publikation relevanter Arbeiten zur Psychoanalyse, Philosophie, beider Vermittlung sowie zur Pathognostik geladen.

Redaktion: Axel Schünemann; Dionissios Vajas, M. A.; Prof. Dr. Christoph Weismüller.

Redaktionsadresse ist die Vereinsadresse von Psychoanalyse und Philosophie e. V.:

Psychoanalyse und Philosophie e. V., Redaktion
Prof. Dr. Christoph Weismüller
Am Dammsteg 54
40591 Düsseldorf
Mail: mail@psychoanalyseundphilosophie.de

>> Alle Jahrbücher und Publikationen von Psychoanalyse und Philosophie e. V.

Aktuelle Ausgabe:

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Stadt Wahn Kunst

Psychoanalyse und Philosophie. Jahrbuch 2020
Hrsg. von Christoph Weismüller, Düsseldorf: Peras Verlag 2020

250 Seiten, Fadenheftung,
21 x 14,8 cm,
Euro 21,- [D]
- im Abonnement inkl. Versand -

ISBN 978-3-935193-37-5

Bestellungen richten Sie bitte an den PERAS VERLAG:

Prof. Dr. Christoph Weismüller
Am Dammsteg 54
40591 Düsseldorf

Telefon: 0211 / 228172
Mail: PerasVerlag@aol.com

Aus dem Inhalt:

Christoph Weismüller
Editorial

Christoph Weismüller
Eventstadt Düsseldorf: "Wahn, Wahn – überall Wahn"

  • Globalisierung und Minderwertigkeitsgefühl:

Christoph Weismüller
Die aufgehobene Minderwertigkeit
Zur Einleitung

Ralf Bohn
Schwindelgefühl
Bemerkungen zur Raumorientierung

Dionissios Vajas
Von der Seele des Einwanderers

Ursula Zöhren
Einheit in Vielfalt – die Communauté de Taizé
Wie ist Gemeinschaft möglich?

Hedwig de Boer
"Ich bin nie gut genug"
Insuffizienzgefühle von Kindern und Jugendlichen im Zeitalter der Globalisierung
Oder: "Sag mir, wo die Blumen sind"

  • Kunst und Geschlecht:

Dionissios Vajas
Psychisches Imprimé (Mann) und profan-bombastische Kontraexpression (Frau)

Gertrud M. Lettau
Kunst und Täuschung – Der Zauber Penelopes

Andreas Normann
Die Geschlechterdifferenz – Überlegungen zum Phänomen des Countertenors

Hans-Christian Pultke
Das Totem als erstes Kunstobjekt und die Behauptung einer geschlechtlichen Zuordnung

Christoph Weismüller
"Sie gleitet in seinen Armen entseelt zu Boden."
Das Geschlechterverhältnis des Wagner’schen musikdramatischen Gesamtkunstwerks

Ralf Bohn
Eine Konzeption des Universalkunstwerks in der Kinophilosophie Jean-Luc Godards

Christina Vedar
Wie weiblich ist die Kunst?
Geschlechterkonflikte in der bildenden Kunst

Axel Schünemann
Orpheus und Eurydike – technisch realisiert
Zum Finale der Musik

Alina Komorek
Kein Schuster ohne Shakespeare:
Walter Benjamin und Albert Camus zu Kunst, Revolution und Revolte

Dionissios Vajas, Axel Schünemann
E-Mail-Korrespondenz zu: A. Schünemann, Sinfonie Nr. 1, Victoria Strait

Siegfried Jensen
Traum der Pasiphae.
Ein euphorisch fabulatives Traumerlebnis
Zu Richard Wagners Das Rheingold
in einer Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf am 13. Juni 2019 in der Deutschen Oper am Rhein, Düsseldorf

  • Diskussionsforum:

Dionissios Vajas
Zu Christoph Weismüller, Eventstadt Düsseldorf

Dionissios Vajas
Würdigende Kritik an der Außerordentlichkeit eines Topos der Negierungsmöglichkeit des Todestriebs in: Ralf Bohn, Schwindel

  • Büchermarkt:

Gertrud M. Lettau
Zu Ralf Bohns Camera scriptura



Editorial:

So wie der Aufruf, die Forderung, der Vorschlag oder die Frage "statt Wahn Kunst", im Sinne von "anstatt des Wahns, bedarf es der Kunst", homophon ist zum Titel dieses Buches, Stadt Wahn Kunst, so soll mit der Reihe der Beiträge dieses Buches den weiteren Mehrdeutigkeiten des Klangs der Teile dieses Titels auf deren Homogenitäten, Differenzen und Konnektivitäten hin bedenkend gefolgt werden, den Fragen auch nach dem Verhältnis von Stadt, Wahn und Kunst, deren Bezügen und Entsprechungen. Kunst und Wahn sind beides eher Angelegenheiten des Städtischen und des urbanen Raums, sie imponieren als Memoria wahrende Vereignungen von womöglich noch fühlbar gebliebenen Einsprüchen von Körper, Natur, Wildnis wider deren längst vollbrachte sowie währende Opferung. In der Kunst finden solche Opfereinsprüche sich in einem relativ sicheren Abstand im abgegrenzten, isolierten Werk, hinterm Bühnengraben gehalten und trotzdem und gerade deshalb auch der Erkenntnis noch zugänglich bewahrt. Im Wahn hingegen sind solche Opfereinsprüche entweder subjektiv symptomatisch zu einem körperlichen Element und des Körpers Ausdruck von Opfer und Einspruch geworden, oder sie sind objektiv symptomatisch zur Gestaltung der humansadistischen Welt gemäß der Rationalität der Verdinglichung geraten, die zwischen den Modalitäten der Globalisierung – ökonomisch, politisch, technisch, virtuell, sozial, wissenschaftlich und intellektuell – und dem Rückschlag in die Körper mindest als Minderwertigkeitsgefühl changiert.

Dieses Buch widmet sich dem Bedenken der genannten Aspekte und ist dabei offen tendenziös: ein Plädoyer für die Kunst einerseits und für die philosophisch-psychoanalytische Intellektualität andererseits, letztere verstanden im Sinne eines Durcharbeitens, Aufklärens und In-Erkenntnis-Bringens der allgemeinen und speziellen Konditionen subjektiver wie objektiver Wahnkomplexe. In diesem Sinne sind die Beiträge dieses Buches Zuträge zu und teils Elemente bereits einer immer weiter auszuarbeitenden, fortschrittlichen philosophisch-psychoanalytischen Behandlungstechnik.

Die Beiträge dieses Buches gehen zurück auf Veranstaltungen des Vereins Psychoanalyse und Philosophie e. V., die in den vergangenen Semestern angeboten wurden. Das Kolloquium Globalisierung und Minderwertigkeitsgefühl fand statt am 27.06.2019 in den Räumen des Instituts für Psychoanalyse und Psychotherapie Düsseldorf, das Kolloquium Kunst und Geschlecht bereits am 02.02.2019 im Haus der Universität in Düsseldorf. An diesem Ort wurde zuvor bereits eine Version des hier einleitenden Beitrags als Vortrag zur Diskussion gestellt, in diesem großzügigen Stadthaus der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Die basalen, aber in ihrer bewussten und verantwortlichen Anerkennung unterschlagenen Konditionen der Stadtgründung und des Stadtbaus drängen innerhalb der Stadt – wie innerhalb der technischen Realisierungen insgesamt deren Produktionskonditionen – zu ihrer Wiedervergegenwärtigung, und zwar als Inszenierungen in Form von Kunst und Event. Sie drängen zu einem Reigen von Erinnerungszeremonien des Vergessens oder Erinnerns des Vergessenmachens der Untaten der Gründung der Stadt. Zur Entfaltung solcher These wendet sich Christoph Weismüller mit seinem Beitrag Eventstadt Düsseldorf: "Wahn, Wahn! / Überall Wahn!" einer aktualisierenden Aufarbeitung von Richard Wagners Werk Die Meistersinger von Nürnberg zu.

Was die humane Welt womöglich seit jeher in ihrem Innersten zusammenhält, in den ersten Jahrzehnten des dritten Jahrtausends aber erst explizit terminologisch, technologisch, ökonomisch, politisch und gesellschaftlich zum Ausdruck gebracht wird, das ist wohl die Spannung von Globalisierung und Minderwertigkeitsgefühl.

Könnte die Idee der Globalisierung auf ein Raumproblem, die Minderwertigkeit jedoch auf ein Zeitproblem verweisen und könnten beide Kategorien sich im Schwindel ihrer alternierenden Geschwindigkeit als unaufhebbar dramatisch verknüpft und nicht zur Synthese fähig erweisen? Dieser Frage geht Ralf Bohn in seinem Beitrag Schwindelgefühl mit Ausführungen zur Raumorientierung unter besonderer Berücksichtigung der Raum absorbierenden Potenz der Bilder nach.

In seinem Beitrag Von der Seele des Einwanderers zeigt Dionissios Vajas am Beispiel seiner eigenen Geschichte, auf welche unüberwindbaren Integrationsschwierigkeiten der anders sozialisierte, eingewanderte Ausländer als Repräsentant einer anderen Kultur stößt. Die Sprache entdeckt er als entwicklungsgeschichtlich urwüchsige und nicht über bewusste Reflexion zu erlangende Vermittlung der in die konkreten Dinge eingeprägten kulturellen Weltanschauung, die den Einzelnen von vornherein und zeitlebens ununterbrochen einschließend ausschließt und ausschließend einschließt. Die aus solcher Entgegensetzung sich entfaltenden inneren Kräfte lassen zu keiner Ruhe kommen; sie bilden den Stoff für eine neue, allmählich anders werdende, eine andere Identität bildende Gesellschaftserfahrung, in deren Introvertiertheit das Begriffspaar Anerkennung–Nichtanerkennung tonangebend und maßgeblich wird.

Ursula Zöhrens Beitrag Einheit in Vielfalt geht der Frage nach, wie Gemeinschaft möglich ist. Anhand des Exempels der Communauté de Taizé möchte sie, über das Textmedium vermittelt, nach- und miterfahren lassen, was möglicherweise eine Gemeinschaftsbildung realisieren lässt. Sie lädt also den Glocken von Taizé gleich zu einer Möglichkeit von Selbsterfahrung ein, diesmal anhand der Textlektüre einer Vorstellung der Communauté, deren theologischen Selbstverständnisses, praktischer Umsetzungen im Alltag sowie der Liturgie. Was also bringt alle Vielheit in der Einheit zusammen? Könnte es die Feier des exkludierten Opferkörpers sein?

Unter dem Titel "Ich bin nie gut genug" fragt Hedwig de Boer nach den Motiven für die Ausbildung von Insuffizienzgefühlen bei Kindern und Jugendlichen im Zeitalter der Globalisierung. Einerseits verdanken solche Gefühle sich bereits dem Sachverhalt, dass Kinder jünger, kleiner sind und ihnen zu vielerlei Aspekten der Kultur noch kein Zugang gewährt ist. Andererseits zeigt es sich immer wieder, dass die Erwachsenen ihrer Aufgabe als Erzieher, Initiationsbegleiter und Initiatoren sowie der nachhaltigen Einflussnahme insgesamt enteignet sind, sie zu wenig Halt und Orientierung geben können und vor allem – nicht zuletzt im Bann der elektronischen Medien – zu wenig kritisch aufklärend den Stand der Entwicklung der Produktivkräfte angemessen vermitteln. Insofern sind sie vielfach für die Kinder abwesend, und zwar sogar dann, wenn sie körperlich anwesend sind. So bleiben auch Schülerinnen und Schüler oft allein, fühlen sich ausgeliefert, haltlos, minderwertig.

Den Abschnitt Kunst und Geschlecht eröffnet Dionissios Vajas mit seinem Beitrag Psychisches Imprimé (Mann) und profan-bombastische Kontraexpression (Frau). Anhand der biografisch gedeckten Szene eines Versuchs des philosophischen Autors, ein seiner Schrift korrespondierendes, die Inhalte illustrierendes Bild für den Umschlag des soeben fertiggestellten Buches zu finden, nimmt Dionissios Vajas mit auf einen Schrift-Weg, der darlegt, wie der Mann scheiternd die Bildwerdung seines Text- und Weltbezuges innerlich, imaginär konzipiert und über die weibliche Künstlerinnenhand vermittelt erst zu erhalten vermag, was er (nicht?) begehrte. So findet womöglich das Visualisierungsbegehren des Mannes erst am (bildnerisch) schaffenden Werk der Frau auf deren Produkt hin sich eingelöst und an diesem der Mann sich wieder?

Gertrud M. Lettau zeigt in ihrem Beitrag Kunst und Täuschung – Der Zauber Penelopes, dass das Tun Penelopes, welches außerhalb des mythischen Kontextes betrachtet einfach nur wie Simulation oder gar Betrug anmuten mag, in der Immanenz der mythologischen Erzählung weit mehr ist als Simulation, nämlich die Fähigkeit, im zeitlichen Aufschub, indem sie ungeschützt männlich drängender Übergriffigkeit ausgeliefert ist, etwas aufs Spiel zu setzen, ein Spiel, in dem Kunst und Täuschung in einer Art Magie des Scheins und des Seins als Illusion wirkmächtig werden. Damit, so Gertrud M. Lettau, sei Penelopes Wirken sogar repräsentativ für Homers Odyssee.

Andreas Normanns Beitrag bedenkt Die Geschlechterdifferenz anhand von Überlegungen zum Phänomen des Countertenors. Er fragt danach, was die Faszination ausmachen könnte bezüglich der dem Hermaphroditen gleichen Countertenöre und Kastraten, und findet die Antwort in der Ausklammerung der Realität. Das Weibliche und Männliche geben sich im Countertenor als ineinander vereint, so dass das Phänomen dieser himmlischen Stimmen Widersprüche und Ambiguität bis hin zur Ambivalenz erzeugen muss, ausgelöst durch Mehr- und Uneindeutigkeit; auf solcher Grundlage aber verspricht solches Phänomen die Überwindung des Mangels, das Ende aller Defizite und gar des Todes. Stets wurden diese männlichen Defizitgestalten sowohl on stage mit höchstem Entzücken erhöht und gefeiert, als auch off stage erniedrigt, geächtet und geschmäht. Warum reagier(t)en Zuhörerinnen und Zuhörer auf diese Weise? Welche Ängste, welche Projektionen kennzeichnen diese Sphäre?

Hans-Christian Pultke wendet sich in seinem Beitrag Das Totem als erstes Kunstobjekt und die Behauptung einer geschlechtlichen Zuordnung Freuds Ausführungen in Totem und Tabu zu und entfaltet eine kritische Diskussion hinsichtlich der Version des von Freud angenommenen Urvatermordes. Maßgeblich ist für ihn, dass Kunst und Kulturtechniken, so auch der Totemismus, den er als Proto-Kunstform denkt, die verschlossene Gewalt ihrer Produktion sind. Diese Gewalt will er offenlegen und solcher Offenlegung die entsprechenden geschlechtlichen Zuordnungen von Gewalt entnehmen: Könnte es sein, dass der Urvatermord gar keine Angelegenheit der Söhne gewesen ist?

Entlang der Diskussion von Der Fliegende Holländer, Tannhäuser und Lohengrin, diesen Romantischen Opern, Vorbereitungen zum musikdramatischen Gesamtkunstwerk, bedenkt Christoph Weismüller in seinem Beitrag "Sie gleitet in seinen Armen entseelt zu Boden" das Geschlechterverhältnis des Wagner'schen musikdramatischen Gesamtkunstwerks. Gezeigt werden kann, dass Wagners Werk die Fundamentalkriterien des In-die-Erscheinung-Bringens, das heißt der Visualisierung, des Dramas, der Szene sowie der Bewegung und der Bildgestaltung und somit wohl des Gesamts aller Künste und derer Verhältnisse untereinander als den Bezug der Geschlechter in Liebe und Gewalt, als inszeniert zum Ausdruck gebrachtes Triebgeschehen unter und auf die Bühne bringt: Wagner entwirft Inszenierungen von Ödipuskomplex, Narzissmus und Todestrieb als musikdramatische Gesamtkunstwerke.

Eine dezidierte intellektuelle Analyse des umfassenden filmischen und theoretischen Werks von Jean-Luc Godard legt Ralf Bohn mit seinem Beitrag Eine Konzeption des Universalkunstwerks in der Kinophilosophie Jean-Luc Godards vor. Er arbeitet das Verhältnis des Werks von Godard zum Gesamtkunstwerk Richard Wagners vermittels Friedrich Nietzsches Kritik daran heraus und nimmt darüber hinaus Bezug unter anderem auf die Theorien von Niklas Luhmann, Friedrich Kittler und Jean-François Lyotard. Bohn macht deutlich, dass bei Godard die Präsenz des Filmischen Identität und Differenzbeziehung von Theater, Malerei und Film zeigt; doch dass bei ihm daraus kein Gesamt im Wagner'schen Sinne wird, sondern eine Universalität im Sinne der Emergenz, eine Auflösungs- oder Dissoziationsform zwischen Theater und Wirklichkeit, Präsenz und Fiktion. Godard, so hält er fest, ist auf die Elementarisierung der Beobachterstandpunkte im konstruktivistischen Sinne aus, sodass seinen Filmen eine Theatralität zukommt, da sie die dem Film eigene Realität des Visuellen transzendieren.

Christina Vedar ist auf der Suche nach Antworten auf die Frage Wie weiblich ist die Kunst? Sie hebt den Unterschied hervor zwischen der künstlerischen Produktion, dem Kunstwerk als Produkt und dem Kunstmarkt und diskutiert mit Pierre Bourdieu, Jacques Lacan und anderen kritisch das konfliktuöse Zusammenspiel dieser Elemente. Sie recherchiert nach weiblichen Künstlerinnen auf dem Kunstmarkt und fragt weitergehend danach, ob der Kunstmarkt, der einerseits, insbesondere an der Spitze der Ranglisten, männlich dominiert ist, trotzdem oder gerade deswegen wesentlich weiblich sei und schließlich danach, ob solche Konstellation möglicherweise eine Repräsentanz des Todestriebs sei.

Axel Schünemann stellt mit seinem Beitrag Orpheus und Eurydike – technisch realisiert Gedanken zum Finale der Musik zur Diskussion. Dieses Finale bedeutet Schünemann die Ablösung der notenschrift-basierten und eventbedürftigen Musik durch elektronische Medien, welche, so seine weitere These, die Komponistenidentität privatisieren und in eine kapitalisierbare Ware verwandeln. Auf diese Weise wird dem Komponisten zum Beispiel Befreiung aus gesellschaftlichen Kämpfen um Anerkennung verheißen. Ausgehend vom Mythos von Orpheus und Eurydike, dem antiken Mythos der Musik schlechthin, versucht er darzulegen, dass dieser technologische Wandel jedoch im Mythos selbst bereits vorgezeichnet ist.

Wie steht es um die Möglichkeit, politische und gesellschaftliche Veränderungen vermittels der Kunst zu erreichen? Alina Komoreks Beitrag Kein Schuster ohne Shakespeare sucht darauf eine Antwort mit Walter Benjamin und Albert Camus. Verortet Benjamin den Begriff der Revolution im Zusammenhang mit der Technik der Reproduzierbarkeit von Kunstwerken, denkt Camus die Kunst als eine Form der Revolte. Benjamin thematisiert Fotografie und Film, Camus hauptsächlich den Roman; am Begriff der Schöpfung spätestens scheinen sich beider Denkwege radikal zu scheiden, doch denken beide die Möglichkeiten eines gesellschaftlichen Wandels wider totalitäre und faschistische Herrschaft vermittelt über die Kunst.

Nochmals aufgegriffen wird der Mythos von Orpheus und Eurydike von Dionissios Vajas und Axel Schünemann in ihrer E-Mail-Korrespondenz zu: A. Schünemann, Sinfonie Nr. 1, Victoria Strait. Die Autoren notieren einander ihre Gedanken zu musikgenealogischen Fragestellungen, die Programmmusik betreffend, zur Unmöglichkeit, in die Bedeutungssphäre der Musikbotschaften einzudringen sowie zu den Nöten des Komponisten, der in diesem Genre verhaftet ist, beim Komponieren auf die Suggestion der Existenz einer Botschaft nicht verzichten zu können, die womöglich stets eine Version der Botschaft vom Tod des Orpheus sein könnte.

Siegfried Jensens Beitrag Traum der Pasiphae präsentiert in der Form eines euphorisch fabulativen Traumerlebnisses den in Schrift gefassten Nachhall zu Richard Wagners Das Rheingold in einer Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf am 13. Juni 2019 in der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf.

... und kein Wort in diesem Buch aus dem Jahr 2020 zur Corona-Pandemie, zu Covid-19, Sars-CoV-2 und alle den Folgen? In diesem Jahr mussten viele öffentliche Veranstaltungen auch von Psychoanalyse und Philosophie e. V. abgesagt werden und es konnten die dringend notwendigen intellektuellen Auseinandersetzungen und Aufklärungen auf den öffentlichen Diskussionsebenen nicht stattfinden. So nahmen auch wir Zugang zur digitalen und virtuellen Welt, nahmen angemessen kritisch teil an der ubiquitären Einübung in die erkenntnisfreie Verwechslung von Realem und Imaginärem im Technikverbund und verlagerten die Aufarbeitung dieses drängenden Themas unter dem Titel Corona. Philosophische Gedanken zur Covid-19-Pandemie und zum SARS-CoV-2 auf die Homepage des Vereins Psychoanalyse und Philosophie e. V. Für einen späteren Zeitpunkt ist es vorgesehen, die dort erschienenen Beiträge auch im Jahrbuch zu publizieren. Bis dahin findet die Veröffentlichung des philosophisch-psychoanalytischen Denkens zur Covid-19-Pandemie auf der Homepage von Psychoanalyse und Philosophie e. V. statt.

Eine erkenntnisreiche Lektüre wünscht

Christoph Weismüller

In Vorbereitung:

Psychoanalyse und Philosophie. Jahrbuch 2021, hrsg. von Chr. Weismüller, designierte Themenschwerpunkte: Philosophie und Psychoanalyse; zur Corona-Pandemie u.v.m.

Liste aller Jahrbücher und Publikationen von Psychoanalyse und Philosophie e. V.:

1998 - 2006

Psychoanalyse und Philosophie. 1. Jg. Heft 1/1998.
Hg. von Psychoanalyse & Philosophie, Düsseldorf. Redaktion: Gertrud Lettau M. A., André Karger, Kerstin Keßler, Karl Thomas Petersen M. A., Redaktionsleitung: Dr. Christoph Weismüller. Layout: Kerstin Keßler. Düsseldorf: 1998.

Psychoanalyse und Philosophie 2. 2. Jg. Heft 1/1999.
Hg. von Psychoanalyse & Philosophie, Düsseldorf. Redaktion: Gertrud Lettau M. A., André Karger, Kerstin Keßler, Karl Thomas Petersen M. A., Redaktionsleitung: Dr. Christoph Weismüller. Satz: Kerstin Keßler. Düsseldorf: 1999.

Psychoanalyse und Philosophie 3. 3. Jg. Heft 1/2001.
Hg. von Psychoanalyse & Philosophie, Düsseldorf. Redaktion: Gertrud Lettau M. A., André Karger, Kerstin Keßler, Karl Thomas Petersen M. A., Redaktionsleitung: PD Dr. Christoph Weismüller. Satz: Kerstin Keßler. Düsseldorf: 2001.

Psychoanalyse und Philosophie 4. 4. Jg. 2003.
Redaktion: André Karger, Kerstin Keßler, Gertrud Lettau M. A., Thomas Rixe, Redaktionsleitung: PD Dr. Christoph Weismüller. Düsseldorf: Peras Verlag 2003.

Christoph Weismüller, André Karger (Hg.) Gewalt und Globalisierung. Düsseldorf: Peras Verlag 2004.

Psychoanalyse und Philosophie 5. Jahrbuch 2005, Düsseldorf: Peras Verlag 2005.

Christoph Weismüller, André Karger (Hg.) Gewalt und Globalisierung Band 2. Düsseldorf: Peras Verlag 2006.

2006 - 2012

Rudolf Heinz, Christoph Weismüller (Hg.) Psychoanalyse und Philosophie 6. Pathognostica, Jahrbuch 2006, Düsseldorf: Peras Verlag 2007.

Sondernummer
Rudolf Heinz, Todesnäherungen. Über Todestrieb, Urverdrängung, Zahlenmagie, Spekulative Chirurgie, Frühmetaphysik, Düsseldorf: Peras Verlag 2007.

Christoph Weismüller (Hg.), Fragen nach der Mathematik. Düsseldorf: Peras Verlag 2007.

Rudolf Heinz, Christoph Weismüller (Hg.) Neurowissenschaften und Philosophie. Psychoanalyse und Philosophie, Pathognostica, Jahrbuch 2007, Düsseldorf: Peras Verlag 2008.

Rudolf Heinz, Christoph Weismüller (Hg.) Psychoanalyse und Philosophie 7. Pathognostica, Jahrbuch 2008, Düsseldorf: Peras Verlag 2008.

Rudolf Heinz, Christoph Weismüller (Hg.) Histrionissima. Neue Studien zur Hysterie, Psychoanalyse und Philosophie, Pathognostica, Jahrbuch 2009, Düsseldorf: Peras Verlag 2009.

Heide Heinz, Christoph Weismüller (Hg.) Zur geschwundenen Aktualität der Frauenfrage. Psychoanalyse und Philosophie, Pathognostica, Jahrbuch 2010, Düsseldorf: Peras Verlag 2011.

Rudolf Heinz, Christoph Weismüller (Hg.) "Reklame für den schlechten Lauf der Dinge". Psychoanalyse und Philosophie, Pathognostica, Jahrbuch 2011, Düsseldorf: Peras Verlag 2012.

Seit 2012

Christoph Weismüller (Hg.) Psychoanalyse und Philosophie 12/13. Pathognostica, Jahrbuch 2012/2013, Düsseldorf: Peras Verlag 2014.

Christoph Weismüller (Hg.) Krisis der Pathognostik. Psychoanalyse und Philosophie, Jahrbuch 2014/2015, Düsseldorf: Peras Verlag 2016.

Christoph Weismüller (Hg.) Loyalität und Perversion. Psychoanalyse und Philosophie, Jahrbuch 2016/2017, Düsseldorf: Peras Verlag 2017.

Christoph Weismüller (Hg.) Fluchten. Philosophisch-psychoanalytische Zeitdiagnosen, Jahrbuch 2018, Düsseldorf: Peras Verlag 2018.

Christoph Weismüller (Hg.) Beziehungen zwischen Lebensfülle und Gewalt, Jahrbuch 2019, Düsseldorf: Peras Verlag 2019.

Christoph Weismüller (Hg.) Stadt Wahn Kunst. Jahrbuch 2020, Düsseldorf: Peras Verlag 2020.

06.03.2021

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